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Neues vom Animal's Forum


Quod licet Iovi, non licet bovi...

Das Leben auf dem Bauernhof wurde keineswegs ruhiger. Das lag natürlich in erster Linie an den Schweinen selber, die zwar dachten, sie seien auf dem Olymp, aber ein Schwein auf einer Bergspitze ist eben eher ein verirrtes Stück Vieh als der Meister von Wald, Fluss und Fels.
Und ein Schwein mit einer Krone wirkt nun mal eher wie eine Kuh auf dem Eis denn wie ein König. Es ist ja auch nicht leicht, ein Gott zu sein.

Hinzu kommt noch, dass das auch niemals die Aufgabe der Schweine gewesen ist. Sie sollten nie jemandem übergeordnet sein, sondern nur eine simple Funktion ausüben, und diese nicht entarten. Wie sagt man so schön: ‚mit Essen spielt man nicht’. Mit Ämtern auch nicht.

So stellte es sich auch auf der Allmy-Farm dar. Eines nachts nämlich hatten die Schweine eine Menge neuer Regeln aufgestellt - vermutlich waren mit Franzbranntwein gestreckte Softdrinks und Designerdrogen aus Produktkomponenten der Firma Pattex und des Hauses Henkel (trocken?) wieder mal im Spiel, was man mit Hartz IV-Mitteln eben so am freien Vergnügungsmarkt aufwenden kann. Diese Annahme ist zudem eine äußerst wohlwollende, lässt sie doch das Schlupfloch der Berufung auf mildernde Umstände zu.

Jedenfalls wirkte es so, als seien den Schweinen und ihren Schergen erster Ordnung (gemeinhin „Mitmoderatoren“ genannt) ihre selbstgewählten Titel ein wenig zu Kopf gestiegen, in Wechselwirkung mit oben erwähnten Konsumkompomemten, versteht sich.

So nannte sich unser Oberclownschwein Moohtin ja seit geraumer Zeit „Dirty Harry“, was ja noch herleitbar ist; dreckelig wird eben, wer im Dreck wühlt, und „Harry“ ist eine Reminiszenz an den großen Geistvertilger Harald Juhnke. Besonders zu Ende seines Wirkens auf Erden schien Harald Juhnkes Verstand dem des Moohtin ebenbürtig zu sein, nur war Harry nicht an der Augenbraue verplombt. Aber der war auch in einem normalen Heim und hätte wieder rausgedurft. Da der Moohtin ja auf der Farm aus guten Gründen die Öffentlichkeitsarbeit weitestgehend seinem stets eifrigen Assistenten Hypnoschnauz und seinem Ausputzertrio Keksei, Gayfun und Rockinger. So hatten diese wesentlich bedrohlich wirkendere Titel wie „Inquisitor“ und „Untouchable“, hergeleitet aus populären Unterhaltungsbeiträgen des fernsehlichen Vorabendprogramms, will man meinen.

Jedenfalls bedurfte es offensichtlich der Einführung neuer, verbesserter Regeln, um die Abstände zwischen den Moderatoren und denen, die es werden wollten („User“) weiter zu vergrößern. Des Nächtens hatte das hippe Hypnoschweinchen nämlich flott einige „Neuerungen“ des bestehenden Regelwerkes auf die Scheunentore gepinselt, während die drei Schakale zähnefletschend Schmiere standen. Der schwere Moohtin saß auf einer Palette Bierdosen und rauchte einen Keks, und der in letzter Zeit irgendwie stets im Delirium befindliche Hofhund Bummel war in einer Schubkarre liegend ebenfalls körperlich anwesend. Eigentlich sollten alle Obertiere dabei sein, aber das Stinktier eldrecko (für den ja in besonderem Maße die Devise „neu geborenes Schwein muss sein“ gelten sollte) war wieder mit seinem Bagger im Selbstpotraitsthread stecken geblieben; als ausländisches Quotenvieh waren ihm Bilder ohnedies lieber als Worte. Und der alte Jagdesel Ben Jaffe hatte zwar zugesagt, er käme „vielleicht später mal“ dazu, aber eigentlich war ihm ja sowieso alles egal, was in der Gegenwart spielte. Wenn einer in der Vergangenheit über Nacht & Nebel sämtliche Grundlagen der Zivilisation über den Haufen geschmissen hätte, dann wäre er der kühnste Gegner eines solchen Regimes gewesen, freilich, aber so was weiß man ja erst hinterher, ob etwas gut oder schlecht gewesen ist, wenn die Nachfolgerregierungen die Geschichtsbücher novelliert haben. Außerdem könnte jederzeit der böse Mantarochen aus dem Tümpel gekrochen kommen, den der Ben Jaffel ja tagaus, tagein bewachte. Etwas anderes machte er nicht, der Ben Jaffel. Er war da für den Tag, an dem man ihn brauchte. Allerdings lag dieser Tag weit vor seiner Geburt und war längst vorbei. Für den Ben Jaffel war das vermutlich auch besser so.

Jedenfalls waren die selbsternannten Hofverwalter bis auf die genannten Ausnahmen vollzählig erschienen, um ihre neue Macht schriftlich zu manifestieren. Dieses Manifest hatte ab sofort zu gelten und wurde jedem Hoftier in Kopie auf seinen Futternapf gelegt. In die offiziellen „Regeln“ wurde das natürlich nicht aufgenommen, schließlich wollte man keine neuen Tiere verprellen. Am besten sind eh die Regeln, die man sich selber nach Bedarf zusammenbasteln kann, dachten wohl die Schweine.

Es ging darum, dass man die anderen Tiere stärker beobachten und kontrollieren wolle; so sollten zum Beispiel geheime Dateien angelegt werden, und die Meinungsäußerungen der Hoftiere würden verstärkt sanktioniert werden im Rahmen der Gutdünkelmethode, was besonders im Unterhaltungsbereich gelten sollte. Wer weiterhin völlig schwachsinnige Fremdmeinungen in den Themenkategorien vertrat, hatte allerdings vorerst mit keinen Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen; Aussagen wie „die Moderatoren sind nicht gerecht“ waren schließlich wesentlich unverantwortlicher wie „Bush ist Hitler“, „Merkel ist Hitler“, „Mein Nachbar ist Hitler“, oder dass die Amerikaner den Mond selber aufgehängt haben, nur um später mal dahin zu fliegen.

Auch konnte man sich nun mit Hilfe der neuen „Regeln“ ganz leicht unliebsamer und unproduktiver Hoftiere entledigen. Das konnte man selbstverständlich auch vorher allein aufgrund des gemeinen Haus-und Hofrechts, nur wirkte es viel legitimer und üblicher, wenn man da speziell noch mal drauf hinwies, und außerdem würden sich dann weniger wundern, wenn in Zukunft fleißig davon Gebrauch gemacht worden würde.

Naja, mal sehen, was es so bringt. Ruhe ist jedenfalls keine eingekehrt. Lediglich Das Amöbenhafte Ungetüm, ein seltsam riechendes Faultier, das angeblich aus der Schweiz stammte und schon länger auf dem Hof residierte, ohne von irgendwelchem Nutzen zu sein, stand kurz vor dem Ausschluss; nach 4 Wochen Scheunenhaft stand nun Schlachthaus, und 3 Wochen hatte man es bereits verknastet. Stimmen behaupteten, das Faultier habe sich seinerzeit, als der Bauer Hennis vertrieben wurde, den Inhalt dessen Waffenschranks angeeignet, es kursierten sogar Bilder, auf denen das Faultier mit irgendwelchen Gewehren rumposierte. Vermutlich hatten die Verwalterschweine deswegen etwas Angst vor ihm, sie sahen die geistige Verwandschaft und ergriffen prophylaktische Maßnahmen. So wenig Affen wie möglich unters Volk, sagt man ja gemeinhin. Darum war der einzige Hofaffe auch inzwischen eine Holzpuppe. Auch wenn es so das einzige Holz war, das nie arbeitete.

Nun sind aber inzwischen zwei der drei Schakale abgehauen und verdingen sich als Schlittenhunde beim Weihnachtsmann weil man da besser den Kindern helfen kann. Der Keksei und der Gayfun hatten vermutlich mal gelesen, was da so auf den Scheunentoren geschrieben stand, und es auch verstanden. Der Rockinger hingegen, der das Alphabet nie über den Buchstaben M hinaus gelernt hatte, dafür aber jedes noch so komplizierte Wort auf Verlangen nachbrabbeln konnte, und daher auch ein besonders wertvoller Assistent der Verwaltung war, ging weiter seiner Arbeit nach; ihn berührte ja nichts (wie sein Titel schon), denn berühren hat etwas zu tun mit be-greifen.

Neusten Gerüchten zufolge ist das bunte Clownschwein verschwunden, eine offizielle Stellungnahme dazu gibt es allerdings noch nicht. Es werden nur ständig neue Verwalter angekündigt, man glaubt schon, es wird ein neues Würfelspiel gespielt. Namen, die zuvor niemand gehört hat, stehen plötzlich an der Scheunenwand, auf der die Hierarchie niedergeschrieben ist. Es erinnert an die Zeit, als die Ziege hackbrett-cieleine dort aufgeführt war; die hatte auch noch nie jemand auf dem Hof gesehen, und es wurde sogar gemunkelt, dass es sie gar nicht gibt.

Was mit dem PisaClown Moohtin passiert ist, weiß keiner.
Möglich wäre es, dass der Moohtin nach einem Schlammbad von dem Esel Ben Jaffe (mit einem Gewehr von Dem Amöbenhaften Ungetüm, das vielleicht bei dessen Verhaftung gefunden wurde) erschossen worden ist, weil der ihn irrtümlich für die Drecksackblase – einen Assistenten des schrecklichen Mantarochen – gehalten hat. Wär ja lustig. –Äääh, traurig. Der arme Moohtin.
10.10.06 21:46


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